D | 2021 | Dokumentarfim | 45 Min. | TV Premiere: 2022

Im Auftrag von ZDF/ARTE

Sprache Englisch (OV) Deutsch VO

Produktionsländer GB

Buch & Regie Susanne Bohlmann & Christopher Hawkins

Kamera Johanna Menschner & Susanne Bohlmann

Schnitt Susanne Bohlmann

Coming soon
Alex_liebt_das_Tanzen_mit_Boss_Morris_©Susanne_Bohlmann
Cheesy_ist_in_seinem_Element_©Susanne_Bohlmann

Logline In der kleinen Stadt Stroud in der englischen Grafschaft Gloucestershire haben sich zwölf Frauen zusammengefunden, um der uralten Tradition des männlichen Moriskentanzes neues Leben einzuhauchen. Auf verschiedensten Events treten sie vor die Männer mit modernen und innovativen Interpretationen des Tanzes. Nicht immer zu deren Wohlgefallen.

Sven packt in Rottweil
Sven packt in Rottweil

©Susanne Bohlmann

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Ein langer Weg hinunter
Ein langer Weg hinunter

©Susanne Bohlmann

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Am Ziel
Am Ziel

©Anna Baranowski

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Sven packt in Rottweil
Sven packt in Rottweil

©Susanne Bohlmann

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Svens Geschichte | Sven Fiedler wurde 1967 in Rottweil geboren und leidet seit seiner Geburt am Usher-Syndrom, einer angeborenen Schwerhörigkeit in Kombination mit einer Netzhautdegeneration, die unaufhaltsam fortschritt - bis zu seiner völligen Erblindung im Jahr 2010. Seitdem kann er seinen gelernten Beruf, technischer Zeichner, nicht mehr ausüben.

Sven:„Vor vielen, vielen Jahren als ich „nur“ sehbehindert war und Sendungen im Fernseher noch gut verfolgen konnte, sah ich eine Dokumentation über den Jakobsweg. Es war so interessant für mich und in mir keimte der Wunsch, mich auch auf den Jakobsweg aufzumachen. Allerdings habe ich aufgrund meiner Schwerhörigkeit nicht verstanden, wo dieser Jakobsweg ist. Die Landschaften, das Wetter, die Tiere, die ich sah und die englische Sprache im Hintergrund waren in meiner Vorstellung nicht mit Europa verknüpft. Ich stellte mir vor, dass er irgendwo in den USA oder in Kanada wäre. Somit blieb es ein Traum, den ich mir niemals erfüllen könnte und ist in Vergessenheit geraten.

Nachdem sich mein Sehvermögen im Jahr 2010 sehr schnell verschlechterte und ich Ende 2010 vollends erblindete, ging ich in das Taubblindenwerk nach Hannover und machte dort eine soziale Rehabilitation, die 14 Monate dauerte. Der Leiter dieser Rehamaßnahme hieß Herr Jacobs. Durch seinen Namen erinnerte ich mich wieder an meinen längst vergessenen Traum und erzählte ihm davon. Ich sagte auch, dass ich mir diesen Traum nie werde erfüllen können, weil dieser Weg in den USA oder in Kanada ist. Herr Jacobs erwiderte, dass der Jakobsweg nicht in Amerika ist, sondern hier in Europa, in Spanien. Ich war total sprachlos. Trotzdem blieb es nur Traum, den ich nicht in die Tat umsetzen kann, denn jetzt bin ich TAUBBLIND! Blind und hochgradig schwerhörig ... träum weiter!

Ende 2014 war ich mit anderen taubblinden Menschen bei einer einwöchigen Freizeit im Schwarzwald. Dort habe ich mich mit einem taubblinden Mann auch über Jakobsweg unterhalten. Kurz vor Weihnachten erzählte ich Almuth bei Kaffee und Kuchen von meinem Traum, auf dem Jakobsweg zu pilgern. Sie sagte zu mir: „Ich würde dich sehr gerne begleiten“. Wow, Gänsehautfeeling! Ich wusste gar nicht, was ich dazu sagen sollte. Darauf war ich nicht gefasst und konnte es auch nicht einordnen. War das möglich? Zu Weihnachten bekam ich von ihr mein erstes Hörbuch geschenkt. Hören ist anstrengend und ich selbst hätte mir nie eins gekauft. Es war das Hörbuch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“. Dieses Hörbuch hatte ich dann zum ersten mal angehört. Es war nicht anstrengend, es war der Hammer! Ich habe es gleich sieben mal hintereinander angehört - ach was, ich habe die Ohren gespitzt, jedem Wort gelauscht, ich habe teilgenommen, ich bin mit Hape auf diesem Weg gewesen. Im Internet forschte ich nach dem Jakobsweg. Ich wollte alles erfahren über die Wege, die Berge und die Dauer des Wanderns.

Seit Februar 2015 sind Almuth und ich mit der Planung beschäftigt für das größte Projekt in meinem Leben: der Jakopbsweg. Sieben Taubblindenassistenten werden mich unterstützen und begleiten, sowohl während der Vorbereitungsphase als auch auf dem Weg, meinem Camino. Diese sieben kommen nicht alle gleichzeitig mit, sondern über den Zeitraum von sechs Wochen verteilt. Jeweils zwei Assistenten begleiten mich von frühmorgens bis spätabends. Mitte April 2017 wollen wir starten und zuerst mit dem Auto bis St. Jean Pied du Port in Frankreich fahren. Dort beginnt die Pilgerroute des Jakobswegs. Wir rechnen mit 42 Tagen Wanderzeit bis nach Santiago de Compostela.

Wenn dies nicht länger ein Traum ist, sondern ein Wunsch, der wahr wird, dann will ich auch andere daran teilhaben lassen. Hier denke ich vor allem an taubblinde Menschen. Vielleicht wird dies eine stille Demonstration, vielleicht gibt es ein öffentliches Interesse, vielleicht kann ich auf die Behinderung

„Taubblindheit“ aufmerksam machen, dann wird mein Traum auf alle Fälle wahr.“                     

Sven Fiedler/ 2016